Veranstaltung auf Norderney zum Umgang mit Rassismus

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In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Geflüchtete Norderney veranstaltete die „Partnerschaft für Demokratie“ am 5. Dezember 2017 einen Abend zum Thema „Wie gehen wir um mit rassistischen Äußerungen?“.  24 Norderneyer*innen kamen in die schöne Stadtbibliothek. Gunda Behr, Mitglied des Netzwerkes auf Norderney, schreibt in ihrem Bericht:

Links stehend: PfD-Koodinator Martin Gohlke. Rechts sitzend: Referent Andrea Müller r
Links stehend: PfD-Koodinator Martin Gohlke. Rechts sitzend: Referent Andrea Müller

„Ja, leide ich denn etwa an Selbstzweifeln?“ – Bekenntnisse einer „Eigentlich-Demokratin“

Der Abend im Norderneyer Conversationshaus fing so harmlos an: Das Netzwerk Geflüchtete Norderney hatte in Zusammenarbeit mit der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Aurich den Referenten Andrea Müller geladen, um eigene Handlungsoptionen gegen alltäglichen Rassismus zu erweitern.

Allerdings bekamen wir 25 Interessierten zwischen 20 und 70 Jahren nicht den bequemen Blick auf „die Anderen“, nämlich diejenigen mit fremdenfeindlichen oder anti-demokratischen Gedanken und Taten, geschenkt. Stattdessen hatten wir Gelegenheit, uns mit unserer eigenen Haltung zu bekannt zu machen. Danke auch schön, Andrea Müller! Stehe ich nicht eigentlich ganz auf dem Boden unserer Verfassung? Ist denn nicht auch für mich die Würde aller Menschen unantastbar? Sind nicht alle Menschen gleich zu behandeln? Ja, schon, aber ein paar mehr Rechte für die, die zuerst hier gewesen sind, dürften es doch sein, oder? Simpel zu verstehen, dass die Abwertung anderer Lebensformen eine Gefährdung unserer Verfassung darstellt. Schwerer zu schlucken meine innere Unsicherheit: ist nicht eigentlich meine deutsche Kultur doch die Richtige? Und dann die Familie: selbstverständlich will ich mit meiner Familie zusammenleben! Aber wenn das jetzt alle dürften? Fliegt uns dann nicht unsere Gesellschaft auseinander? Noch mehr Stimmen für die AFD? Vor lauter Angst überdecke ich manchmal meine eigene Haltung: alle Menschen haben die gleichen Rechte! Dafür will ich einstehen!

Jedes Mal, wenn ich meine Stimme nicht gegen Abwertung anderer erhebe, lasse ich eine Lücke entstehen, die mit menschenfeindlichen Gedanken gefüllt wird. Dabei kommt es nicht zuallererst darauf an, welche Worte ich finde, ob ich Fakten für die Antworten auswendig gelernt habe, sondern darauf, dass ich überhaupt aufstehe, auf meine Haltung eben! Vielleicht wird doch noch eine echte Demokratin aus mir!

Gunda Behr, Netzwerk Geflüchtete Norderney